1938 bis 1998

60 Jahre Akkordeonmusik in Dettenhausen!

Der Harmonika-Club Dettenhausen e.V. (HCD) zählt heute zu einem der wesentlichen Kulturträger in der Gemeinde. Akkordeonmusik ist praktisch nicht mehr wegzudenken. Bei zahlreichen Veranstaltungen am Ort – aber auch in den umliegenden Gemeinden – sind die verschiedenen Orchester des Vereins zu hören und halten die Menschen musikalisch bei Laune. Daß dies schon seit 60 Jahren der Fall ist, beweist die spektakuläre Historie des HCD.

Bis zum Jahr 1988 mußte man davon ausgehen, daß der HCD damals sein 25jähriges Jubiläum beging. Demnach würde der Club heute also erst 35 Jahre existieren. Viele ältere Dettenhäuser und Mitglieder des Vereins wußten jedoch, daß es bereits vor dem Zweiten Weltkrieg einen Harmonika-Club gegeben hat. Allein ein Dokument als notwendiger Beweis fehlte. Dieser Beweis in Form eines Konzertprogrammes wurde von Christian Aberle gefunden und erbracht, eines der dem Verein bekannten Gründungsmitglieder neben Adolf Fischer, Walter Friedrich, Albert Knoll und Erwin Zeeb. Demnach fand am 15. Mai 1938 im Saal des Gasthofs Bären die Frühjahrsfeier des „Harmonikaclub Edelweiß Dettenhausen“ mit Musik, Theater und Tanz statt.

Weitere Schriftstücke wurden gefunden, die eindeutig das Bestehen des Clubs seit 1938 dokumentieren. Der Harmonikaclub Edelweiß war eingetragenes Mitglied der Fachschaft Volksmusik – Fachgruppe IV – der Reichsmusikkammer. Diese Mitgliedschaft wurde 1988 auch vom Deutschen Harmonikaverband (DHV) anerkannt

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Bis zum heutigen Vereinsleben war es aber noch ein großer Schritt. Die Kriegswirren ließen die Musik 1939 verstummen. Einige Mitglieder kamen nicht mehr aus dem Krieg zurück, andere verloren sich aus den Augen. Erst im Dezember 1962 wurde versucht, den Harmonikaclub wiederzubeleben. Der erste Versuch mißlang: Nur drei Personen folgten dem Aufruf von Friedrich „Fritz“ Rudloff. Im Jahr 1963 kamen dann im zweiten Anlauf zehn Personen zusammen, und so wurde im „Probierstüble“ von Karl Wizenmann der Akkordeonverein wiedergegründet. Kurze Zeit später erfolgte die Eingliederung in den Schwäbischen Albverein und die Umbenennung in „Harmonika-Gruppe des Schwäbischen Albvereins“. Am 1. April 1963 trat man dem DHV bei.

Die ersten Proben wurden in der Kegelbahn im bereits erwähnten Probierstüble abgehalten. Dies war ein schwieriges Unterfangen, denn der damalige Winter war sehr kalt mit Temperaturen zwischen minus 20 und 30 Grad. Wie die Aufschriebe von Fritz Rudloff bestätigen, mußte der Wirt manchen Liter Heizöl für die Musiker verfeuern….

Ende 1964 kam es aus finanziellen Gründen zum Bruch mit dem Schwäbischen Albverein. Dies führte am 14.03.1965 zur Neugründung des Harmonika-Clubs in seiner jetzigen Form. Man verfaßte eine Satzung, und langsam, aber sicher begann die Entwicklung des Vereins. Von rund 20 Mitgliedern aus den frühen Jahren vor dem Krieg stieg die Mitgliederzahl nach und nach auf heute gut 200 an. Seit 1967 steht den aktiven Spielerinnen und Spielern das alte Clubheim des VfL Dettenhausen als eigenes Vereinsheim zur Verfügung, das in liebevoller Arbeit instandgehalten wird.

Geführt wurde der Verein äußerst konstant und beständig, was die Amtsperioden der Vorstände belegt. Nur fünf Vorsitzende seit der Vereinsgründung (Otto Aberle, Fritz Rudloff, Hans Schmidt, Siegfried Uetz und Inge Kainath) bildeten das solide Fundament, ohne das ein musiktreibender Verein nicht bestehen kann. Dazu gehören natürlich auch die Dirigenten die den Orchestern allesamt über lange Jahr die Treue gehalten haben: Helmut Spieth, Fritz Rudloff, Rosi Hertl, Helmut Gackstatter, Inge Fischer, Joachim Schmidt, Roland Beck mit Team und nicht zuletzt Rudolf „Rudi“ Filipek.

Im Laufe der Jahre wurde Veranstaltungen und Auftritte immer häufiger geplant und durchgeführt. Allen voran die Herbstfeier, das Hauptkonzert der HCD-Orchester. Ein Abend ganz wie damals im Bärensaal mit viel Musik, Theater und Tanz. Dazu kommen Christkendlesmärkt, Weihnachtsfeier, Lagerfeuer auf der Ponderosa in Waldenbuch, Jahresausflug, Kameradschaftsabend, zahlreiche Auftritte bei den verschiedensten Gelegenheiten in und um Dettenhausen und, und, und. Auch Konzertreisen stehen auf dem Programm. So ging es 1982 nach Gampern in der Steiermark, 1989 nach Berlin und 1994 nach Donnersbach (Österreich).

Das Hauptaugenmerk liegt momentan auf der Nachwuchsarbeit. Vor einigen Jahren wurde die musikalisch-rhythmische Früherziehung sowie die Probierspielgruppen ins Leben gerufen: musikalische Förderung für Kleinkinder und Jugendliche, die das erste Mal mit Musik und Instrumenten – neben dem Akkordeon z.B. auch Gitarre oder Keyboard – Bekanntschaft machen. Der Erfolg dieser Maßnahme gibt dem Verein recht: 55 Jungmusiker sind derzeit in der Ausbildung. Daß das Rahmenprogramm für die Jugend auch stimmt, zeigen Aktionen wie Jugendfreizeit, Bastelnachmittage, Radtouren, Wanderungen, Minigolf usw.

Für die Zukunft ist der Verein also gerüstet. Und wie es scheint, werden die Akkordeonklänge aus Dettenhausen sicher auch in den nächsten Jahren im Schönbuch zu hören sein, ganz nach dem Motto „Mit vollem Schwung spielt alt und jung“…!

Bernhard Krauß